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CDU Greiz diskutiert mit Gustav Bergemann aktuellen Parteikurs

„Vor einem halben Jahr hätte noch keiner gedacht, dass die große Vorsitzende die Kurve kriegt zum Thema Mindestlohn“, bekräftigt Gustav Bergemann, der Vorsitzende der Christlich demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) vor Greizer Christdemokraten, die Donnerstagabend das Thema „Arbeit in Würde – Altern in Würde“ auf die Tagesordnung gesetzt hatten.

Greiz. Bergemann begrüßt den Schritt seiner Partei zum Mindestlohn, der hier offiziell Lohnuntergrenze genannt wird. "Der Markt", so kommt er auf eine immer wieder strapazierte These in den eigenen Reihen, "hat es eben nicht gerichtet. Wir müssen seitens der Politik Rahmenbedingungen und Regeln schaffen." Dass man Lohn nicht wie auf dem Basar aushandeln könne, davon ist der CDU-Mann, der in Ruhla zu Hause ist, überzeugt. Das sei Sache der Tarifpartner. Für Bergemann sei die Lohnuntergrenze zwischen 7,79 Euro - das ist der Westlohn in der Zeitarbeitsbranche - und 8,33 Euro bis 8,50 Euro. Erst dann, so führt er auf Nachfrage dieser Zeitung aus, liege man auch bei der Rente im Grundsicherungsbereich. Denn die Rente ist es, die vielen Betroffenen erhebliche Sorgen macht. Gebrochene Erwerbsbiografien durch Arbeitslosigkeit, befristete und Minijobs, da sind sich die Mitglieder der Greizer CDU einig, machen die Gefahr der Altersarmut nicht kleiner. Auch die "Verwerfungen am Arbeitsmarkt", die CDA-Chef Bergemann beschreibt, sind hier gut bekannt. Gut ausgebildete Lehrlinge, das erlebt der Politiker immer wieder, werden von ihrer Firma nicht direkt übernommen, aber über eine Zeitarbeitsfirma eingestellt. "Da ist etwas aus den Fugen geraten", stellt der Gast fest und hält weitere Fakten parat: Jede zweite Neueinstellung im Osten erfolgt befristet. Bei den 20- bis 25-Jährigen ist es jeder Vierte, der einen befristeten Vertrag erhält. Hinzu kommt, dass 20 Prozent der Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor arbeiten und meist aufstocken müssen.

Thomas Gerling aus dem Vorstand der Greizer CDU ergänzte: Jeder sechste Deutsche sei armutsgefährdet. 1,3 Millionen Menschen nehmen hierzulande die Gaben der insgesamt 884 Tafeln in Anspruch, wie er aus der Arbeit des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes weiß. Jürgen Greiner wies auf die immer größere Schere bei Beamtenpensionen und normalen Arbeitnehmerrenten hin. Das Erziehungsgeld sprach Detlef Zietan als Gast in der Debatte an. Er findet es nicht richtig, auf diese Weise Kinder von der Kita fernzuhalten. Bergemann, ein Fürsprecher für diese Leistung, ahnt allerdings, dass es mit dem nächsten Haushalt durch den Koalitionspartner in Thüringen gekippt werden könnte. Die Idee vom Bürgergeld, die Manuela Jätzschke ansprach, habe eine "Beerdigung erster Klasse in einer Arbeitsgruppe" erhalten, erklärt der Gast augenzwinkernd.

 

Greiz, 26.11.2011
Ostthüringer Zeitung
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